„Wir haben wieder keine andere Wahl“
Glasfaser-Gefangene: Obwohl ein Netz vorhanden ist, müssen Schwesinger Bürger für einen neuen Anschluss bezahlen
Andreas Schmidt und seine Nachbarn in Schwesing stecken in einem kostenträchtigen Dilemma: Sie haben seit Jahren einen Glasfaseranschluss und müssen nun doch für einen neuen zahlen. Sonst könnten sie ab 1. Dezember ganz ohne Internetzugang dastehen. Denn Ende August, Anfang September flatterte ihnen ein Schreiben in den Briefkasten mit der Kündigung ihres Internetanschlusses zum 30. November 2026. Dann schaltet Global Connect aus Hamburg sein Privatkundengeschäft ab.
Einziger neuer Glasfaseranbieter ist die Bürgerbreitband-Gesellschaft (BBNG) aus Husum, die in Schwesing 2022 Glasfaser verlegte, auch in den Straßen der Freikom-Kunden, die damals nicht wechselten, da sie ja versorgt waren. Doch wer von diesen nun zur BBNG wechseln will, braucht eine neue Zuleitung zum Haus und einen neuen BBNG-Anschluss – und das kostet: Bis zum 23. September sind es 1150 Euro (bei maximal 15 Meter Zuleitung), danach rund 2800 Euro, heißt es in dem Schreiben der Gesellschaft.
Überraschende Kündigung Ende August
Was einst ein Vorteil war, ist nun ein Nachteil: Während sich vor 15 Jahren die meisten Nordfriesen per Kupferleitung noch im Postkutschentempo durchs Internet bewegten, wurde im kleinen Schwesing von der Schwesinger Firma Freikom ein Glasfasernetz eingerichtet, sodass die Kunden zügig im Internet surfen konnten. Dann übergab Freikom ihr Glasfasernetz 2023 an das Unternehmen Global Connect aus Dänemark, das schon ein Jahr später ankündigte, sein Privatkundengeschäft einstellen zu wollen.
Dann geschah lange nichts, wie Andreas Schmidt und Karl-Friedrich Bumb erklären, bis Ende August Global Connect die Kündigung der Anschlüsse aussprach. Laut Schmidt und Bumb sollen 86 Schwesinger betroffen sein. Internet über Mobilfunk sei keine Alternative, sagt Schmidt, weil die vorhandene Netzabdeckung in Schwesing nur fürs Telefonieren reiche.
Keiner will die Glasfaser übernehmen
Zunächst hatte es noch so ausgesehen, dass Nord Connect, das das Privatkundengeschäft in Kiel und Hamburg von Global Connect übernommen hat, auch in Schwesing einsteigt, doch das habe das Unternehmen ganz schnell abgesagt, erklärt Karl-Friedrich Bumb. „Ich hatte da am 31. August angerufen, und da war die Entscheidung ganz frisch gefallen, wurde mir am Telefon gesagt.“ Aus strategischen Gründen, erklärte Nord Connect dazu auf Anfrage unserer Redaktion.
Schmidt, Bumb und andere ärgern sich, dass sie für einen neuen Anschluss nun viel Geld bezahlen müssen, und finden es schade, dass die BBNG das Glasfasernetz nicht übernimmt, auch wenn sie die Gründe nachvollziehen können. „Es war uns angeboten worden, doch wir haben aus wirtschaftlichen und technischen Gründen abgelehnt“, erklärt BBNG-Aufsichtsratsvorsitzender Ole Singelmann im Gespräch mit unserer Redaktion. Zudem seien die Leitungen schon 15 Jahre alt. Auch sonst hat sich kein Interessent gefunden: Das Glasfasernetz bleibt im Eigentum von Global Connect, wie die Firma auf Nachfrage erklärte.
Günstiger könne die BBNG den Anschluss nicht anbieten, „die Schwesinger erhalten schon ein subventioniertes Angebot, und wir ermöglichen auch Ratenzahlung“, so Singelmann. Das Angebot liege noch unter den Erstellungskosten. Die Frist zur Annahme sei so kurzfristig, weil die Arbeiten ja geplant seien und bis zum 30. November abgeschlossen sein sollen.
Ob das bei allen Verträgen möglich ist, hänge von der Anzahl der zu bauenden Anschlüsse ab, ergänzt Geschäftsführerin Ute Gabriel-Boucsein. „Sollten wir den Anschluss im Einzelfall nicht bis 30. November fertigstellen können, helfen wir bei der Suche nach vorübergehenden Alternativen.“ Beide können den Verdruss der Anwohner allerdings durchaus nachvollziehen.
Andreas Schmidt ärgert es, dass die ehemaligen Freikom-Kunden wieder keine Wahl haben: „Wir hatten damals keine andere Wahl, als zu Global Connect zu wechseln, und jetzt zur BBNG.“ Auch die Telekom ist keine Option, weil in dem betroffenen Neubaugebiet damals bis auf eine Straße nur Glasfaser von Freikom verlegt wurde, eben weil es eine schnelle Datenübertragung ermöglicht.
Nordfriesland, 14. September 2026 |Seite 15
Quelle: Ilse Buchwald, Husumer Nachrichten
